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Huntinamibia - Mein Namibisches Abenteuer - Namibia – einzigartiges Juwel

   
     
 
In den Kommunalgebieten Nordwest Namibias bietet sich die Möglichkeit ursprünglicher Wildnisjagd in atemberaubender Landschaft. Und neben dem Kudu wird auch die Oryxantilope als eine der “fünf großen Antilopen Afrikas” betrachtet.

Jagd in Namibia? Wenn man sich mit Jagd in Afrika beschäftigt, wird man natürlich bald mit dieser Frage konfrontiert. War doch Namibia immer ein sicheres gastfreundliches und kostengünstiges Jagdland und für den deutschen und österreichischen Jäger das afrikanische Jagdziel schlechthin. Mir selbst aber stellte sich diese Frage bislang nicht - hatte ich doch sehr früh schon als junger Jäger durch glückliche Umstände das tropische Afrika kennen gelernt. Auf zahlreichen Reisen und Safaris in den klassischen Großwildjagdländern Kenia, Tanzania, Mozambique, vor allem aber Zimbabwe hatte ich mein Afrika gefunden.

Vor allem die Freundschaft zu weißen und schwarzen Berufsjägern hatte über Jahre hin nahezu alle meine jagdlichen und touristischen Wünsche wahr werden lassen. Was sollte ich also in Namibia? Die begeisterten Erzählungen eines afrikaerfahrenen guten Freundes von der berührenden, herben Schönheit Namibias und vor allem von den phantastischen Möglichkeiten fernab jeglicher Zivilisation in unberührter, weiter Wildnis ursprünglich zu jagen, hatten mich neugierig gemacht, und das Buch „Entlang des Jägers Pfad" sollte mich gründlich eines Besseren belehren.

Nun saßen wir, Freund Cari, unser Berufsjäger und ich, verschlafen und klamm, um das wieder entfachte Campfeuer, schlürften unseren Morgentee und wärmten die Hände an den heißen Tassen. Es war leichter Nebel von der Küste her eingefallen und die kalte Feuchtigkeit ließ uns frösteln. Vor einigen Tagen waren wir von den Erongobergen kommend, nach vielstündiger, abenteuerlicher Fahrt hier in der Halbwüste des südliches Kaokoveldes angekommen und hatten bereits im Umkreis unseres idyllisch gelegenen Zeltcamps erfolgreich gejagt. In Kürze würden wir aufbrechen, um noch vor Sonnenaufgang einen kleinen Sattel einige Kilometer südlich unseres Camps in Richtung Brandberg zu erreichen. Nach zügigem Marsch waren wir bald auf einer der höheren Hügelkuppen und erhofften uns Ausblick in das weite rollende Dünenland, welches nach guter Regenzeit von schütterem, kaum wadenhohen, goldgelben Gras bewachsen war. Trockenbachläufe durchschnitten das Hügelgewirr, von struppiger, karger Buschvegetation dürftig gesäumt - Oryxland. Kaum war das Graublau einem samtig rosavioletten Morgenlicht gewichen, füllte sich der Himmel mit den weichen, melodischen Rufen und dem Schwingenrauschen tausender Flughühner, welche alle in nördliche Richtung einem Wasserloch im Nirgendwo zustrebten. Auch knapp vor unseren ausgreifenden Schritten flogen Hühner hoch, um sich dem nicht enden wollenden Zug anzuschließen. Die unglaubliche Vertrautheit der Vögel, die in ihrem Flug über unsere Köpfe hinweg keineswegs von ihrer Route abwichen und der stimmungsvolle Morgen vermittelten das Gefühl ein Stück paradiesischen Friedens zu erleben.

Vor zwei Tagen hatten wir hier im ersten Morgenlicht einen einzelnen alten Gemsbockbullen entdeckt, den wir aber trotz Laufschrittpirsch im Tal-Hügellabyrinth verloren hatten. Nun hockten wir auf erodierten Granitzacken, die wie Schuppenkämme auf Saurierrücken über die Hügel liefen und suchten mit unseren Ferngläsern das weite Land nach dem begehrten Wild ab. Beinahe hätten wir die Oryxkuh mit ihrem wenige Wochen alten roten Kalb übersehen, die plötzlich über dem Hügelrücken, keine 30 Schritt vor uns auftauchte, mit einem Ruck verhoffte, und uns eindringlich musterte. Sie hielt uns wohl für eine Herde Paviane, trollte dann aber doch, immer wieder zurücksichernd, irritiert außer Sicht. Nach einiger Wartezeit pirschten unser Jagdfuehrer und ich, die Begleiter zurücklassend, dem Wild eilig nach, in der Hoffnung, daß vielleicht ein Bulle aus einem der Seitentäler kommend, auf die Kuh stoßen würde.
Wir waren kaum 10 Minuten unterwegs, als uns ein Pfiff herumfahren ließ. Richard, einer unserer schwarzen Camphelfer, war uns nachgelaufen und bedeutete uns aufgeregt winkend, rasch umzukehren. Im Zurückeilen berichtete er, ein alter Oryxbulle sei vom Sattel kommend, kaum wären wir weggewesen, am östlichen Abhang unter den Kameraden durchgewechselt und könnte, falls er die Richtung beibehalten hatte, am Gegenhang noch abzufangen sein. Gebückt in der Deckung des Hügelrückens vorlaufend, sahen wir bald den Bullen, gerade noch frei gegen den Horizont, für einen sicheren Schuss schon zu weit, über den Kamm der Nachbardüne wechseln. Die Verfolgungspirsch, die nun folgen sollte, werde ich mein Lebtag nicht vergessen. Teils laufend, teils im Eilschritt soweit es meine Kräfte zuließen, trachteten wir das Stück einzuholen – sahen den Bullen aber immer nur für Sekunden, bevor er im nächsten Graben, über den nächsten Hügel entschwand. Zwar hielt er etwa die Richtung, hatte aber sein Tempo, ohne flüchtig zu sein, beträchtlich erhöht. Er fühlte sich verfolgt! Wir waren nun schon Stunden hinter dem Stück hergeeilt, ohne ihm näher gekommen zu sein - im Gegenteil wir hatten es wieder einmal aus den Augen verloren. Es war heiß geworden und ich mußte, um wieder zu Atem und Kräften zu kommen, eine kurze Rast einlegen. Während ich mit der Wasserflasche beschäftigt war, entdeckte der Berufsjaeger in großer Entfernung auf einem Querhang ein kleines Gemsbockrudel, das bald hinter einer Hügelsilhouette ruhig äsend verschwunden war.

Vielleicht war unser Bulle auf die Herde gestoßen und hatte sich ihr angeschlossen. Es schien uns nun ein Leichtes der Herde den Wechsel abzuschneiden, um ihr am nächsten Sattel vorzupassen. Unsere Rechnung sollte aufgehen. Bald war die Herde auf gute Schussdistanz aufgezogen und der Bulle, gedrungen und kantiger als die übrigen Stücke, war tatsächlich dabei. Der Bulle drängte unruhig in der Herde hin und her - offensichtlich eine brunftige Kuh treibend - als plötzlich einige Stücke aufwarfen, in federnden Troll verfielen und das Rudel wie explodierend in rasender Flucht das Weite suchte. Der Wind hatte sich gedreht und, bevor ich noch ans Schießen denken konnte, alles vereitelt.

Ich war zutiefst entäuscht und erschöpft und wollte nur noch aufgeben. Es war beinahe Mittag und die Hitze fast unerträglich, als der Berufsjaeger vorschlug, er würde allein auf den nächsten Höhenrücken laufen um zu erkunden, ob die Herde irgendwo in noch erreichbarer Distanz zur Ruhe gekomnmen sei. Die Ausdauer und der Jagdeifer des Berufsjaegers waren ansteckend und ich war ihm dankbar dafür, waren sie doch weit mehr als die professionelle Pflicht, einen Gastjäger einfach zum Schuss zu bringen. Ich war noch im Aufstieg als er mir strahlend entgegen kam: die Herde hätte sich beruhigt und stünde auf einen knappen Kilometer im nächsten Hochtal. Wir müßten allerdings den deckungslosen vor uns liegenden Höhenrücken überqueren. Im Krebsgang auf allen Fünfen - fast am Rücken kriechend - das Gewehr quer über der Hüftbeuge liegend - sollte dies gelingen. Während jeweils einer kroch, beobachtete der andere durchs Fernglas das Wild. So lotsten wir einander abwechselnd mit Halt- und Vorwärtskommandos über den Berg, der spitzen Steine und scharfen Kanten nicht achtend, welche Hände, Ellbogen und Gesäß schmerzhaft strapazierten. Sobald wir uns talwärts kriechend nicht mehr gegen den freien Himmel abhoben, konnten wir uns vorsichtig erheben und uns, immer noch in Sicht des Wildes, endlich aufrecht gehend weiterlotsen. Unser Ziel war ein dem Wild auf weite Schussdistanz vorgelagertes bizarr verwittertes Basaltriff, das uns Deckung geben würde. Aber noch hieß es Ruhe bewahren und wir erstarrten, sobald ein Stück sichernd aufwarf und harrten regungslos aus, bis wir es wagen konnten, uns wieder langsam, vorsichtig auf das scheue Wild zu zubewegen.

Als uns der Felsen endlich Deckung bot, fühlte ich mich nach der Anspannung wie ein erschöpfter Schiffbrüchiger, der den rettenden Uferfelsen erreicht hatte. Irgendwie mußte ich jetzt noch hinauf - ruhig zielen und schießen. Nur jetzt keinen Fehler machen, obwohl mein ganzer Körper nach der Anstrengung zu vibrieren schien. Vor allem wollte ich nach all der Mühe meinen Jagdführer nicht enttäuschen. Endlich über den Grad spähend, finden wir das Rudel in lockerem Verband immer noch ruhig äsend am Gegenhang vor uns. Der Berufsjaeger weist mich auf den Bullen ein - auf scharfem Felsrand suche ich nach Auflage für den weiten Schuss - rutsche plötzlich ab und mit wahnwitzigem Donner fährt der ungezielte Schuss aus der schweren Büchse. Die Herde wirbelt herum, ich repetiere in panischer Verzweiflung, das Wild verhofft für Sekunden - da ist der Bulle frei, er bricht im Feuer des hingeworfenen Schusses und verendet in der Staubwolke der davonrasenden Herde.

Was für eine Jagd! Alle unsere Jagdheiligen und namibischen Jagdgötter mussten mit uns gewesen sein. Zwei aufgewühlte, aber glückliche Jäger halten nach harter Jagd einem urigen, wirklich altem Stück Wild dankbar ehrfurchtsvolle Wacht.

Mit Namibia ist „mein" Afrika um ein kostbares Kleinod reicher geworden. Die gastfreundlichen, sympatischen Menschen, die wir kennen lernen durften, die stille, herbe Schönheit des Landes, seine weite fremde Wildnis und die ursprüngliche Jagd haben mich zutiefst berührt. Ich komme wieder!

Bericht von Dr. Norbert Payer

   
 
   
 
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