Huntinamibia - Mein Namibisches Abenteuer - Wie ein Baumstamm mit Ohren
Der Gepard ist eine der wenigen Wildarten, auf die es kaum jemals eine Erfolgsgarantie geben kann. Doch Namibia ist das Land, in dem der Gastjäger eine recht hohe Erfolgsaussicht auf Gepard hat.
“Können sie mir einen Geparden garantieren?“ “Nein! Ich kann ihnen einen Geparden zeigen, aber dann müssen Sie schnell schießen. Normalerweise sehen die Geparden den Jäger zuerst, flüchten 100-200 Meter um dann nochmals breitstehend zu verhoffen und zurückzusichern, welches dem Jäger eine kurze Chance bietet einen Schuss anzubringen.“
„Was war ihre Erfolgsquote auf Geparden im vergangenen Jahr?“
„Ich hatte Glück, denn jeder Gepardenjäger hat während der Jagd einen Geparden zu Gesicht bekommen und 60% der Jäger haben einen Geparden erlegt.“
Wir jagen auf vielen verschiedenen Farmen in Namibia auf denen Geparden freilebend vorkommen, darunter auch Rinderfarmen. Berufsjäger schätzen den Gepardenbestand auf 8-9000 Stück, damit ist Namibia das Land mit dem stärksten Bestand überhaupt. Helmut buchte eine Gepardenjagd mit mir. Im Jahr zuvor war er auf Leopard gekommen und hatte bereits am zweiten Jagdtag Erfolg auf einen starken Kuder. Wir hatten eine starke Fährte bis zu einem Riss verfolgt, bauten dort einen Schirm und kurz nach Sonnenuntergang hatten wir Erfolg.
Helmut ist 68-jährig und ein guter Schütze. Wir hatten mehrere Spielbäume, die meist von den männlichen Geparden angenommen werden, kontrolliert. Wir hielten Ausschau nach Gepardenfährten, fanden häufig auch Fährten leider meist jedoch dann, wenn sie über die Grenzen wechselten. Auch Wasserlöcher suchten wir ab. Dies ist jedoch nicht sehr erfolgversprechend, denn Geparden brauchen kein Wasser, wenn sie regelmäßig Beute schlagen. Ferner verfolgten wir frische Fährten in der Hoffnung einen frischen Riss zu finden, um die Geparden dann in der Nähe zu überraschen. Die Geparden waren jedoch immer wieder in steiniges, hartes Gelände gezogen und wir konnten die Fährten nicht halten. Dann der fünfte Tag: Die Fährten von zwei starken Geparden an einem Spielbaum machen uns Hoffnung. Wir bauen einen Schirm und sitzen an bis die Dunkelheit einbricht, aber von Geparden nichts zu sehen oder zu hören. Am folgenden Morgen stellen wir fest, daß sie doch in der Nacht am Spielbaum waren. Wieder folgen wir den Fährten und schauen an den nahe gelegenen Wasserstellen nach, doch wir finden keinen Riss. Alle Fährten führen in die Bergen wo es sehr steinig ist. Die Chancen sind schlecht. Die einzige Möglichkeit ist umherfahren und die Geparden auf Sicht bejagen. Es ist schon halb elf, der Tag wird heiß. „STOP!“ Der Fährtenleser Jo sieht zwei Gepardenfährten auf dem Weg, es sind die beiden großen Geparden vom Spielbaum. „Helmut, wir versuchen es noch ein letztes Mal, bevor wir zum Mittagessen nach Hause fahren.“
Nach 1-2 Kilometern schwenken die Fährten vom Weg ab, nach links durch den Busch in einen kleinen Trockenfluss und weiter einen Hang hinauf. Wir schauen voraus, Jo folgt den Fährten und bestätigt alle 50 Meter, an Hand von kleinen Zeichen, das wir noch auf der Fährte sind. Plötzlich Anzeichen eines Kampfes am Boden: weggerollte Steine und Schleifspuren – „Mista daar is mos die vleis!“ (“Mister, da liegt doch das Fleisch” - ein Riss!) Die Überreste eines jungen Kudubullen liegen vor uns. Viel ist nicht mehr übrig. Wenn Geparden viel gefressen haben sind sie meist nicht weit vom Riss entfernt. Sie werden bequem und unbeweglich, während sie unter einem Schattenbaum ruhen und verdauen. Selbst wenn sie uns erblicken sollten, werden sie nicht hochflüchtig abgehen.
Der Schweiß rinnt uns von der Stirn. „Helmut, bist du O.K.?“ „Ja, selbstverständlich!“ Wir verschnaufen kurz und lichten die uns gegenüberliegenden Hügel ab, konzentrieren uns besonders auf die Schatten unter den Bäumen. Sollten sie unter einem Schattenbaum sitzen, sehen sie aus wie ein Baumstamm mit Ohren. Dann hat Jo die Fährten wieder gefunden. Die Geparden können sich nur Richtung Schatten bewegen, hinab in ein Trockenflussbett. Wir schicken Jo allein nach unten. Sollte er sie hochmachen, könn¬ten wir zu Schuss kommen, wenn sie am Gegenhang hinaufziehen. Jo verschwindet im Busch, keine Geparden in Sicht, aber die Fährten sind nun deutlich sichtbar im weichen Sand. Wir gehen auch weiter und folgen Jo, denn die Fährten führen nun nach rechts aus dem Trockenfluss hinaus.
“Dort – Geparden! Unter dem schönen, großen Schattenbaum!“ „Wo?“ „Ja, der Stamm dort unter dem Baum ist ein Gepard – Schieß!“
Schnell stellte ich den Schießstock auf als die zwei Geparden auch schon die Flucht ergreifen, den Hügel hinauf. Hinter einem Gestrüpp bleibt ein Gepard stehen, der Schuss knallt, deutlicher Kugelschlag, doch zwei Geparden rennen davon. Ich repetiere schnell und lasse auf den vorderen Gepard fliegen, bevor er hinter dem Hügel verschwinden kann. Wiederum Kugelschlag, auch dieser Schuss ein Treffer. Doch sie flüchten weiter.
Aber dann sehe ich den hinteren Geparden wanken und niedergehen.
„Waidmannsheil! Du hast deinen Geparden.“
Bevor wir Helmuts Geparden erreichen ist unser Fahrer schon mit Jagdwagen und Foxterrier am Schweißriemen da. Er hat die Schüsse gehört und sich beeilt, falls es eine Nachsuche gibt. Helmuts Gepard ist verendet. Ein perfekter Schuss!
Aber wo ist der andere Gepard den ich in der Annahme beschossen hatte, daß dies Helmuts Gepard war?
Der Foxi ist schon den Hang hin-auf und über den Hügel verschwunden. Plötzlich deutlicher Standlaut! Scheinbar hat der Foxi den angeschweißten Geparden gestellt. Dies ist eine große Hilfe, denn nun kann ich dem Geparden einen Fangschuss geben.
Sehen Sie, so kann es vorkommen das der Berufsjäger auch noch eine Tro-phäe erbeutet.
Die beiden Geparden wogen 65 und 68 kg. Ein starker Gepard wiegt normalerweise 45-50 kg. Die Geparden hatten das Festmahl ihres Lebens und Helmut hat einen Geparden erbeutet von dem viele Jäger nur träumen können.