Huntinamibia - Mein Namibisches Abenteuer - der Mecklenburg Kudu Wenn sie jetzt nicht schießen, erlege ich ihn selbst
Namibia wird allgemein als das Kuduland schlechthin betrachtet. Und der Kudu wiederum wird von vielen Jägern als die begehrteste Antilopentrophäe Afrikas angesehen. Lesen Sie hier über einen Kudubullen, der dies alles unterstreicht.
Eine Windhoeker Tageszeitung ver¬öffentlichte 1976 ein Foto, das einen Oberst Whitney-Ashbridge neben einem kapitalen Kudu-Bullen zeigte, den er auf der Farm Mecklenburg bei Seeis erlegt hatte. Viele, die das Bild sahen, hatten den Eindruck dass es nicht nur eine außergewoehnliche Trophäe war, sondern darüber hinaus das formschönste Kudu-Gehörn, das sie je zu Gesicht bekommen hatten.
Oberst Ashbridge war ein Jagdgast des bekannten Unternehmens ANVO Safaris, von NAPHA-Pionier Volker Grellmann. Damals steckte die Trophäenjagd in Namibia noch in den Kinderschuhen, und Grellmann brachte seine Jagdgäste auf vielen Farmen im ganzen Land unter. So kam es, dass Ashbridge auch auf der Farm Mecklenburg von Hans Denk jagte. Denk, ebenfalls ein Pionier der namibischen Trophäenjagd, war ein weiteres Gründungsmitglied der Berufsjägervereinigung. Lange Zeit hielt er auch den Trophäen-Weltrekord für die Kap-Kuhantilope (jetzt die Nummer 2 in Rowland Ward’s Record Book). So war es Hans Denk, der Oberst Ashbridge auf den kapitalen Kudu führte. Denen, die ihm nahestanden, ist Hans Denk durch seine Feinfühligkeit und Herzlichkeit unter der rauhen Schale in lieber Erinnerung. Für alle anderen war er eine eindrucksvolle Erscheinung, fast zwei Meter groß, ein Mann von unbestrittener Autorität der sich von niemandem etwas vormachen ließ, wie man so schön sagt.
Mecklenburg liegt östlich von Windhoek im zentralen Hochland Namibias, einer wunderbaren Gegend: zerklüftet, teilweise sogar bergig, mit schönen Tälern, felsigen Kuppen und steinigen Kämmen. Es ist Kudu-Gelände par excellence und das Herzstück Namibias besten Kuhantilopen-Geländes.
Die genauen Umstände jener Kudu-Jagd im Jahre 1976 sind in Vergessenheit geraten, denn Hans Denk verstarb 1989. Geblieben sind nur wenige Einzelheiten, an die sich ein damals 15-jähriger Neffe von Hans Denk erinnert, der in einer Gesprächsrunde auf der Veranda von Mecklenburg saß, als das Foto von Ashbridges Kudu herumgereicht und die Jagd-Geschichte erzählt wurde. Den jungen Mann inspirierte die Schönheit dieses Foto's; der mächtige Träger des Kudus, der ausgestreckte Vorderlauf, so dass die (für ein solch wuchtiges Wild) geradezu zierlichen Hufe betont wurden, und das Gehörn – schlicht wunderbar. Dieses Foto und Hans Denks Worte – “ja, er ist stark, und wenn Sie jetzt nicht schießen, erlege ich ihn selbst” - haben sich für immer in sein Gedächtnis eingeprägt.
Man konnte aus der Erzählung heraushören, dass die beiden Obersten (Hans Denk war ebenfalls ein Oberst) bisweilen nicht so besonders gut miteinander ausgekommen waren. Scheinbar war Ashbridge einer jener schwierigeren Gäste, von denen alle Berufsjäger ein Lied singen können. Wiederholt, wenn Denk eine starke Trophäe ausgewählt hatte und seinen Jagdgast auf das Stück einwies, begann Ashbridge zu diskutieren, ob die Trophäe auch wirklich stark sei. Auf diese Weise waren mehrere kapitale Kudu-Bullen davongekommen. Zweifellos wird die entwaffnende Art von Hans Denks bezaubernder Frau Anita bei solchen Gelegenheiten sehr gefragt gewesen sein. Es heißt, dass Anita mit ihrem Charme ganz erheblich zum allgemeinen Flair und Erfolg von Mecklenburg beigetragen hat: Wenn Hans frostig zurückkam, weil ein Jagdgast eine Pirsch verpatzt oder seine Autorität in Frage gestellt hatte, strahlte sie Wärme aus und entschärfte die Atmosphäre.
Auf den sagenhaften Kudu waren die beiden Jäger nach mehreren Tagen gestoßen. Er war bereits argwöhnisch geworden und sicherte in ihre Richtung. Denk flüsterte Ashbridge zu, er solle schnell schießen, doch der stellte erst noch seine unvermeidliche, wenngleich wirklich überflüssige Frage (denn der Kudu erschien über alle Maßen herrlich, das kapitale Gehörn, mit den ebenmäßigen Stangen und den weit nach aussen schwingenden Spitzen, unverkennbar): “Ist er stark?” “Ja, er ist stark, und wenn Sie jetzt nicht schießen, erlege ich ihn selbst,” zischte Denk, woraufhin Ashbridge auf seinen Schnurrbart biß, sich einrichtete und den Kudu-Bullen zur Strecke brachte.
All jene, die die Verhältnisse kennen, können sich lebhaft vorstellen, wie die Jagdgesellschaft - Hans Denk und seine rechte Hand, der Spurenleser Ephraim, sowie Ashbridge - zum Farmhaus zurückkehrte, wie Anita und die Kinder herbeieilten, den unglaublichen Kudu umstanden, die Hörner berührten, frohes Lachen und Ausgelassenheit rundherum.
Und die Atmosphäre des Abends, eine schmackhafte Mahlzeit auf dem Tisch, ein guter Wein, das Eis zwischen den beiden Obersten nunmehr gebrochen – vielleicht bis auf den einen oder anderen sarkastischen Hinweis von Hans Denk, auf die Großen, die davongekommen waren. Und Ashbridges trockene Erwiederung, dass er auf diese Weise immerhin das bekommen hatte, was er wollte: einen wirklich außergewöhnlichen Kudu-Bullen.