Wo das zentrale Hochland Namibias zu den Küstenebenen hin abbricht, stößt man auf einige der eindrucksvollsten Landschäftsbilder die auf dem afrikanischen Kontinent zu finden sind. Diese Randstufe und die umliegenden Bereiche beheimaten neben dem Hartmann's Zebra zwei weitere endemnische Großsäuger: Den Schwarzgesicht Impala und den Damara Dik Dik.
Das Hegegebiet #Khoadi//hoas liegt im Damaraland im Nordwesten Namibias. Es ist eine Landschaft von atemberaubender Schönheit, ein karges, unberührtes Stückchen Paradies. Zwischen Bergketten liegen tiefe Täler, Geröll und Fels, und dahinter immer wieder neue Bergketten. Eine unglaubliche Vielfalt von Säugetieren, Reptilien, Vögeln und Pflanzen ist auf diesem Fleckchen Erde heimisch. Kaum eine menschliche Siedlung stört die uralte Landschaft.
Das Jagdlager ist einfach, aber dennoch komfortabel. Einige Zelte unter schattigen Mopane-Bäumen dienen als Unterkunft für die Nacht. Aus einer natürlichen Quelle sprudelt kühles, erfrischendes Wasser, und das Abendessen wird im Freien serviert. In dieser abgelegenen Stille ist der nächtliche Sternenhimmel eine einzige Pracht, und wenn eine Sternschnuppe zur Erde fällt, wünscht sich so mancher Jäger eine erfolgreiche Jagd am nächsten Tag.
Ein Hartmann’s Zebra soll diesmal unsere Beute werden. Wir brechen früh auf, als noch eine frische Morgenbrise weht. Unser Weg führt durch den Trockenflusslauf des Kliprivier. Es ist eine Landschaft, die jedes Geländefahrzeug hart auf die Probe stellt, und voll Verwunderung sehen wir eine Gruppe von sieben Elefanten in den unwirtlichen Bergen ihres Weges ziehen. Mühelos steigen sie die felsigen Hänge hinauf, halten gelegentlich inne, um sich an der spärlichen Vegetation gütlich zu tun. Es erstaunt mich immer wieder, dass sich die großen grauen Riesen im Damaraland so ganz anders verhalten. Sie sind im gesamten Hegegebiet zu finden, in den felsigen Gegenden wie auf den kargen Ebenen. Zur Linken stehen einige Kudus, die Sekunden später aufschrecken und mit eleganten Sätzen in den Busch verschwinden. Ein Klipspringer und eine einsame Oryxantilope ziehen über die karge Weide. Wir halten auf einer kleinen Anhöhe, um die Umgebung mit dem Fernglas abzusuchen. In der Ferne machen wir eine Springbockherde aus. Von Zebras immer noch keine Spur.
Die Zeit steht indes nicht still, und die Tageshitze wird immer stärker spürbar. Am Horizont beginnt die Landschaft zu flimmern. Ein kühler Schluck aus der Wasserflasche ist eine willkommene Erfrischung. Während der Rast drehen sich unsere Gespräche nur um die Zebras, die wir suchen. Dann weiter, und mit frischem Mut suchen unsere Augen erneut die Umgebung ab.
Schließlich sehen wir sie: ein Trupp Zebras steht recht hoch an einem Hang zur Linken. Wir stellen den Jagdwagen unter einem Mopane-Baum ab und begeben uns auf die Pirsch. Erst geht es ins Tal hinab. Wir bewegen uns vorsichtig, um nicht zu fallen, denn das felsige Terrain ist eine echte Herausforderung. Die Dornen einer Akazie zupfen an meiner Kleidung, während wir den Hang hinaufsteigen – und gerade noch das letzte Zebra hinter dem nächsten Felsrücken verschwinden sehen.
Eine Prüfung ergibt, dass der Wind ungünstig steht. Allerdings küselt er in der zunehmenden Hitze. Wir müssen auf der Hut bleiben. Die Füße richtig zu setzen, wird zu dieser Tageszeit schwieriger, denn das Gestein ist mittlerweile so heiß, dass man Spiegeleier darauf braten könnte.
Wir folgen einem der viel frequentierten Zebrawechsel und finden darauf auch frische Elefantenspuren. Dann sind wir am Gipfel der Anhöhe, auf der die Zebras geäst hatten, angekommen und riskieren einen vorsichtigen Blick über den Bergrücken. In einiger Entfernung stehen sie in der sengenden Sonne zusammen und ruhen. Eine Eidechse huscht unter einem Felsbrocken umher, die Stille ist absolut. Zwei Hengste stehen rechts etwas abseits. Der Beschluss ist rasch gefasst, und auf dem Fels liegt das Gewehr gut auf. Der getroffene Hengst macht noch eine kurze Flucht, bevor er zusammenbricht.
Ein herrliches Stück Natur, eine erfolgreiche Jagd, und das erhebende Gefühl, etwas vollbracht zu haben. Nur ein Jäger kann das nachvollziehen. Bericht von Gerrit Utz