Huntinamibia - Mein Namibisches Abenteuer - Im Kampf mit einem Leoparden
Leoparden kommen weitverbreitet in Namibia vor und der Jagdgast in diesem Land hat sehr gute Erfolgsaussichten auf diese Großkatze. Das ein Jäger jedoch von einem unbedrängtem Leoparden angegriffen wird ist eher eine Ausnahme.
Jim Corbett schrieb eine ganze Reihe von Geschichten über menschenfressende Leoparden und Tiger, sogenannte “man-eaters”. Eine seiner berühmtesten Geschichten handelt von dem menschenfressenden Leoparden von Rudraprayak im Ganges-Tal Indiens. Aufgrund unsachgemäßer Nachstellungen, wurde das Tier derartig schlau und gerissen, daß es zum schemenhaften, nur schwer fassbaren Schrecken einer ganzen Region wurde. Zwischen 1918 und 1925 tötete der Leopard nicht weniger als 125 Menschen, bevor er von dem legendären Jim Corbett zur Strecke gebracht wurde. „Meine Augen haben Dinge geschaut, die einen Stein zu Tränen hätten rühren können" – so beschrieb Corbett seine Erfahrungen mit den Menschenfressern in Indien.
An den Ufern des Okavango in Nordost-Namibia hätte sich ein Leopard zum Menschenfresser mausern können, wenn am Nachmittag des 6. Juli 2002 nicht der Berufsjäger Gerrit Utz mit einem Jagdgast, sondern vielleicht eine wasserschöpfende Kavangofrau oder ein spielendes Kind, in die Fänge eines übellaunigen Leoparden gelaufen wäre. Wäre es tatsächlich eine Frau oder ein Kind gewesen, so wäre es dem Leoparden mit großer Wahrscheinlichkeit gelungen, sein wehrloses Opfer zu überwältigen und zu töten. Das hungrige Raubtier hätte sehr wahrscheinlich von seinem Opfer gefressen und dies wäre möglicherweise der Beginn eines schauerlichen Menschenfressers geworden.
An jenem denkwürdigen Nachmittag paddelten Berufsjäger Gerrit Utz und ein Jagdgast in einem Kanu den Okavangofluß stromabwärts, um Wild an den Ufern zu beobachten. Sie glitten geräuschlos den mächtigen Fluß hinunter, als sie um eine Kurve kommend, eine Herde Elefanten in einiger Entfernung am westlichen Ufer entdeckten. Mit der Absicht, die Elefanten genauer zu betrachten, steuerten sie dem Ufer zu. Der Gast sprang aus dem Kanu und stieg die Uferböschung herauf, während Gerrit das Boot aus dem Wasser zog, um es zu sichern.
Wie es das Schicksal so wollte, beobachtete ein alter Leopard, der vermutlich in einem kurz vorher stattgefundenen Territorial-Kampf verletzt worden war und just an dieser Stelle am Ufer lag, die lautlose Ankunft der beiden Jäger. Den Rücken zum Ufer gewandt, bückte Gerrit sich um das Ankertau zu befestigen, als er plötlich das Gebrüll eines Leoparden hinter sich hörte. Über die Schulter zurückblickend sah er zu seinem Entsetzen einen Leoparden auf seinen Jagdgast zuspringen. Der Gast riß den linken Arm hoch um den Leoparden abzu-wehren. Im nächsten Augenblick landete die große Raubkatze auf dem Mann und verbiß sich in seinem Arm während beide die Uferböschen heruntergestürzt kamen.
Auf dem unglücklichen Mann kauernd, begann der Leopard diesen nun mit den Zähnen und Krallen zu bearbeiten. Gerrit hatte sein Gewehr, in einer Gewehrtasche verstaut, auf dem Boden des Kanus liegen. Deshalb ergriff er kurzerhand einen Paddel, sprang beherzt hinzu und schlug dem Leoparden mit aller Kraft in das Genick. Der Leopard ließ nun von seinem Opfer ab und zog sich langsam auf die Uferböschung zurück.
Gerrit rannte schnell zum Kanu zurück, zog sein Gewehr aus dem Futteral und rannte die Böschung hinauf um die Raubkatze gerade noch in einer Gruppe von Palmensträuchern verschwinden zu sehen. In großer Hast feuerte er zweimal auf das Tier, ohne jedoch zu wissen ob er getroffen hatte. Vorerst mußte er sich nun um den blutenden Jagdgast kümmern. Obwohl der Gast stark blutete, waren glücklicherweise keine Arterien verletzt – er hatte Glück im Unglück, denn seine Armbanduhr, auf die der Leopard einen der unteren Reißzähne geschlagen hatte, verhinderte daß die Pulsader verletzt wurde. Gerrit paddelte nun was die Ruder hergaben und brachte den Verletzten ins Camp zurück, wo er die Wunden versorgte so gut er konnte. Mit 30 Stichen, wurden die Wunden später von einem Arzt genäht.
In der Zwischenzeit war der Leopard vom Umweltministerium zum Problemtier erklärt worden. Ein örtlicher Wildhüter begleitete Gerrit und seinen Fährtenleser, um ihn erneut aufzupüren. Wie sich später herausstellte, war das Tier tatsächlich von einer der beiden Schüsse, die Gerrit abgefeuert hatte, getroffen worden. Nach eingehender Untersuchung des Geländes stellten die drei Männer fest, daß der Leopard sich immer noch in dem Gestrüpp der Palmbüsche aufhielt, in das er am Nachmittag zuvor verschwunden war. Die drei Männer quetschten sich in die Führerkabine des Jagd-wagens während Gerrit sein Gewehr griffbereit quer über den Schoß der Männer legte. Langsam fuhren sie auf das Gebüsch zu. Auf kürzeste Entfernung griff der Leopard plötzlich das Fahrzeug an, sprang daran empor und biss in das dicke Rohr des Kühlerschutzes. In der Wagenkabine klammerten sich die entsetzten Passagiere an das Gewehr, als ob ihr Leben davon abhing, und machten es Gerrit dadurch unmöglich, auszusteigen und zu schießen.
Der Leopard ließ vom Fahrzeug ab, und verschwand wieder um Busch. Die Jagdpartie gruppierte sich neu. Diesmal machte Gerrit sicher, daß sich niemand wieder an seinem Gewehr festklammern konnte. Langsam näherten sie sich dem Gebüsch ein zweites Mal. Erneut griff der Leopard an – doch diesmal mit fatalen Folgen, denn er wurde von Gerrit erlegt.
Es stellte sich heraus, daß es ein sehr altes, außergewöhnlich großes Männchen war, das 75kg wog und stark abgenutzte Zähne hatte. Eine tiefe, bis auf den Knochen reichende Wunde am rechten Hinterlauf deutete auf einen Territorialkampf hin.
Alles in allem, eine großartige Geschichte – der Stoff aus dem Abenteuer sind.