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Huntinamibia - Mein Namibisches Abenteuer - Nyati – es wird eng!

   
     
 
Das aride Namibia ist nicht unbedingt ein Büffelparadies. Dennoch bieten sich im niederschlagreichen Nordosten gute Möglichkeiten zur Büffeljagd. Der folgende Bericht enthält alle Spannungsmomente dieser nicht ganz ungefährlichen Jagd.

Unser Bulle steht weit hinten in der Herde, aber das Gelände ist zu offen und der Wind steht falsch. Wenn wir uns nicht für ein anderes Stück entscheiden wollen, müssen wir geduldig warten. Also verharren wir in unserer Deckung hinter dem Apfelblattbaum.

Die Herde, rund 250 Tiere – hauptsächlich Kühe und Kälber mit einigen Bullen dazwischen – zieht näher. Sie sind unruhig, aber sie haben uns noch nicht richtig wahrgenommen.

Gespannt beobachte ich, wie sich der Bulle mit der weiten Auslage, in der großspurigen Gangart eines alten Büffelbullen umher bewegt. Plötzlich wendet er sich uns zu und zieht zur Spitze der Herde.

Ich kann unser Glück nicht fassen – so einfach kann es nicht sein. Der Bulle dreht sich seitwärts und präsentiert die Breitseite. Ich sage zu Ron, dass er warten soll bis die anderen Stücke hinter dem Bullen weiter ziehen. Einige Augenblicke später steht der Bulle frei. Ron streicht mit dem 416 Repetierer am Baum an. Ein fester Anschlag, ein kapitaler Bulle 35 Meter entfernt, breitstehend – was kann man sich mehr wünschen, und was kann da noch schief gehen?

Ich gab Ron den Bullen frei.

Jetzt, drei Monate später, mit Gewichten an meinem Knie, arbeite ich mühsam daran, die erschlafften Muskeln wieder aufzubauen. Sechs Wochen lag mein Bein in Gips und Schienen, mein linkes Knie war einer langwierigen Rekonstruktion unterzogen worden. Es ging schief, und es wurde eng, äußerst eng. Dennoch, ich hatte Glück. Es hätte schlimmer ausgehen können, oder es hätte den Jagdgast erwischen können.

Jahrelang hat man Büffel, Elefanten und Gro߬¬katzen gejagt, hat Attacken erlebt und war knapp entkommen, und dann kommt plötzlich der Eine, der einen erwischt. Sucht man nach Schuldigen, oder passiert so etwas halt?

Es war kein guter Schuss; er ging ins Gescheide. Wir befanden uns in der Nähe der Parkgrenze. Weder ich noch die Fährtenleser sahen ihn im Gebüsch neben uns. Wir hatten uns zu sehr auf die Schweißfährte konzentriert, die daran vorbei führte. Der Angriffswinkel hätte günstiger sein können. All das übliche „Wenn und Aber“!

“Es wäre jetzt eine ideale Chance zum Schuss!” Keine Reaktion von Ron. “Nimm ihn!”, wiederholte ich. Immer noch kein Schuss. Ich drängte ihn, denn jetzt hatten uns die Kühe hinter dem Stamm des Apfelblattbaumes ausgemacht und wurden nervös. Die verräterische Pose der Büffel, den Windfang nach oben gereckt, sagte mir, dass sie kurz davor waren, die Flucht zu ergreifen. “Nimm ihn, die Herde flüchtet gleich.”

Einem Kalb war es nicht mehr geheuer und es wendete sich ab. Die Kuh folgte, und das Schicksal nahm seinen Lauf. Ich sah, wie der Bulle kehrtmachte. Dann erst knallte der Schuss. Weit hinten flog nach dem Kugelschlag Staub aus der Decke.

Die Herde donnerte davon. Wir standen und schauten; jedoch bot sich keine Möglichkeit, nachzuschießen, da der Bulle in der Herde verschwand.

Wir schauten noch, wie die Herde rund 200 Meter entfernt eine dicht bewachsene Insel umrundete und dahinter verschwand. Sie kehrte in weitem Bogen in die Sicherheit des Mamili Nationalparks zurück. Der Bulle verlor den Anschluss und schleppte sich sichtlich krank die Inselböschung hinauf. Die Fährtenleser und ich eilten los. Wir wollten versuchen, ihn abzufangen, damit er nicht auch in den Park zurückkehrte.

Wir erreichten die Insel, umrundeten sie, immer schön auf Abstand bedacht. Außer dem Staub, den die flüchtende Herde aufgewirbelt hatte, war auf der anderen Seite nichts zu sehen. Da wir im schlechtem Wind zur Insel standen, beschlossen wir noch einmal herum zu gehen, um mit besserem Wind zurueckzukommen. Weiterhin Abstand haltend, kamen wir dort an, wo wir den Bullen ins Gebüsch der Insel hatten verschwinden sehen.

Und nun ging alles in Sekundenschnelle. Der Jagdgast hatte sich zu Claud, dem Kameramann, zurückgezogen, während wir die Fährte aufnahmen. Zu meiner Linken stand ein großer Ahnenbaum auf einer Lichtung von etwa 15 Metern, zu meiner Rechten lag eine Mulde mit dichtem Dornbusch. Kein undurchdringliches Gestrüpp, einfach nur Busch. Die Fährtenleser waren hinter mir und suchten noch die Fährte, als ich die untertassengroßen Spuren entdeckte. Sie führten geradewegs durch diese Öffnung in die Richtung, die die Herde eingeschlagen hatte. Schweiß und Panseninhalt hatten einige feuchte Flecken im Staub hinterlassen.
Ich rief die Fährtenleser, und in diesem Moment brach der Nyati auf mich los. Nyati - so nennen die Einheimischen den Büffel.
Plötzlich brachen Äste und Zweige und es kam Leben ins Gebüsch. Die Fährtenleser machten, dass sie fortkamen. Der Bulle stürmte aus der Deckung auf sie zu.

Er zeigte mir die Breitseite. Ich die 470 hoch. Ich konnte nicht auf den Schädel zielen, denn der war von den Hörnern verdeckt – es musste also ein Blattschuss werden. Der Büffel war vielleicht zehn Schritt von mir entfernt, als ich abdrückte. Der Schuss krachte. Kein Zeichnen Statt dessen wandte sich die dunkle Masse jedoch mir zu und setzte sich in Bewegung. Inzwischen waren es nur noch fünf Schritte. Der zweite Lauf musste ins Gehirn. Als ich abdrückte, senkte er jedoch den Kopf. Die Schuss traf ihn in den Nacken ohne die Wirbelsaeule zu treffen. Ein hohles Gefuehl drang in mich als mir bewusst wurde, dass er nicht zusammengebrochen war – die Stunde der Wahrheit hatte geschlagen.

Mit der Hornspitze erwischte er mein Knie und warf mich hoch, ich flog über seinen Rücken und schlug hart auf. Aber noch hatte ich mein Gewehr, und ich war der Einzige, der ihn aufhalten konnte. Während ich mich hochrappelte, um ihm entgegenzusehen, schob ich zwei neue Patronen ein. Doch der Büffel war schneller. Beim Aufstehen traf er mich mit voller Wucht knapp über dem Knie, gabelte mich auf, mein Bein verklemmte sich in seinen Hörnern. Ich wusste, dass ich mich an ihm festklammern musste, so dass er mich nicht auf den Boden werfen konnte. Durch sein Hin- und Herschütteln kam mein Bein dann frei, ich ließ los und rollte von seinem Rücken.

Wieder schlug ich hart auf den Boden auf, immer noch mit meiner 470 in der Hand. Mir war klar, dass es jetzt enden musste.

Die beiden Schüsse klangen wie einer, als 1 000 grains “Barnes monolithic solid” den Büffel stoppten. Er brach zusammen, und alles war vorbei. Claud hatte inzwischen die Videokamera fallen gelassen. Er hatte die 416 in den Händen und drückte noch einmal ab, nur um sicher zu gehen.
Mein Bein war wie Wackelpudding, die Schmerzen unerträglich. Überall war Blut, meines oder das des Büffels, es spielte keine Rolle. Es war vorbei, und vielleicht würden wir eines Tages auch wieder jagen können.

Wir machten Bilder und luden den Bullen auf, was Ewigkeiten zu dauern schien. Da es kein Krankenhaus oder Ärzte in der Nähe gab, musste ich 170 km auf Schotterstraßen nach Katima Mulilo fahren. Ich bräuchte nichts weiter als Schmerzmittel, versicherte mir der Arzt, es sei alles in Ordnung. Dennoch wunderte ich mich, warum ich auf dem Bein nicht stehen konnte. Das Knie war am Schwellen und fühlte sich im Gelenk sehr lose an.

Am nächsten Morgen flog ich Ron nach Vic Falls. Die Cessna 182 benahm sich bestens und wir kamen rasch hin und zurück. Dann beschloss ich, dass ich die Diagnose eines zweiten Arztes einholen sollte und flog nach Windhoek. Ich musste mein Bein festbinden, um bei der üblichen Seitenwind-Landung auf dem Eros Flughafen das Seitenruder betätigen zu können.

Der orthopädische Chirurg buchte mich unverzüglich für eine Operation ein. Vier Stunden später fragte ich mich, wozu ich vorher die Schmerzmittel benötigt hatte.

Heute ist mir bewusst, dass ich unwahrscheinliches Glück hatte. Es war der Augenblick der Wahrheit, in dem es heißt „Du oder Er“. Die Wucht der beiden Körper, die Kraft, die rohe Energie und die Wut. Wenn man das überlebt hat, dann weiß man, dass eine Jagd völlig schief laufen kann. Egal wie erfahren man ist und selbst dann, wenn alles perfekt zu sein scheint. Es war eine reine Gnade des Himmels, dass ich überlebt habe, dass ich heute die 470 wieder zur Hand nehmen kann und mich auf die Fährte der großen Burschen begeben darf.

Bericht von John Wambach


   
 
   
 
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