Huntinamibia - Deutsche Ausgabe - Der König der Kalahari
Der folgende Artikel von Elgin Gates wurde 1963 im Outdoor Life Magazine veröffent-licht, als Namibia noch Südwestafrika genannt wurde und sich die Jagdindustrie erst noch entwickeln musste, um die bedeutende Devisenquelle zu werden, die sie heute ist. Der Artikel wird nostalgische Erinnerungen bei “älteren Namibia-Jägern” wecken und er enthält hochinteressante Information zu der Verknüpfung Jäger und Naturschutz – schon bevor das Wild kommerziellen Nutzen erhielt.
Meinen ersten Südafrikanischen Spießbock oder auch Gemsbock, sah ich in einer Habitatgruppe im Museum von Los Angeles – und ich konnte meinen Augen kaum trauen. Hier stand eine afrikanische Antilope, so groß wie ein weiblicher Wapiti, mit nadelspitzen, geraden Stangen von fast vier Fuß Länge. Mit langem, buschigen Schweif, großen Lauschern und einer grau-braunen Färbung.
In der darauf folgenden Zeit sollte ich die kleineren Verwandten des Südafrikanischen Spießbocks bejagen: den Büschelohr-Spießbock, der in Tanganjika und in Kenia südlich des Tana Flusses vorkommt; den Eritrea Spießbock an der nordkenianischen Grenze; und die herrliche Säbelantilope der Sahara, die als einziges Mitglied der Oryx-Gattung gebogene Hörner trägt. Zudem gibt es auch einen asiatischen Verwandten, den viel kleineren Weißen Spießbock, der einst im Heiligen Land heimisch war und in der Bibel erwähnt wird. In der Sahara hatte ich das Glück, die Nummer 1 und die Nummer 2 unter den Säbelantilopen zu erlegen - beides herrliche Geschöpfe mit unglaublichen Trophäen. Wie bei vielen afrikanischen Antilopenarten, tragen übrigens auch die Oryxkühe Hörner. Im allgemeinen sind sie länger, wenngleich weniger massig als die der Bullen.
Aber ich hatte noch nicht den König aller in der Wüste lebenden Vertreter der Oryx-Gattung gejagt, den Gemsbock, und das war jene Trophäe, die ich vor Allen begehrte. Meinen Entschluß, einen Gemsbock zu erjagen, auch wenn es mich Kopf und Kragen kosten sollte, stand fest, als ich in London bei W J Jeffrey & Co, den Büchsenmachern in Pall Mall, Stangen eines Oryx-Bullen sah, die so lang und dick wie Baseballschläger zu sein schienen. In jenem Moment wusste ich, dass ich einen Gemsbock erbeuten musste, auch wenn ich ihn mit bloßen Händen zu erwürgen hätte. Der Südafrikanische Spießbock ist eine der großen Trophäen dieser Welt, ganz gleich, welchen Maßstab man anlegt.
Meine Chance kam 1959. Ich plante eine Reise nach Portugiesisch-Ostafrika [dem heutigen Mosambik], bei der es mir vor allem um den seltenen Nyala ging. Da ich dann schon einmal deutlich sülich des Äquators sein würde, schien es mir sinnvoll, in den Westen des südlichen Afrika hinüber zu fliegen, um zu sehen, ob ich nicht einen Gemsbock erlegen könnte.
Doch solch ein Vorhaben brachte einige Schwierigkeiten mit sich. Südwestafrika, das Land in dem der Gemsbock in den Kalaharibereichen vorkommt, ist kein Safari-Land und mir war kein regulärer Jagdanbieter bekannt. Nach einigem Schriftwechsel verabredete ich mich schließlich mit einem leidenschaftlichen Jäger, Basie Maartens, einem Südwestafrikaner von niederländisch-burischer Abstammung. In Kombination mit einem Waffengeschäft organisierte er auch Jagdsafaris und er ließ mich wissen, dass er keinerlei Schwierigkeiten sehe, mir jede Menge Gemsböcke zu zeigen falls ich käme und wenn mir daran gelegen sei, auch die dort vorkommenden herrlichen Großen Kudus mit dem wundervollen Spiralgehörn sowie die kleinen Springböcke. Da Südwestafrika derart abseits der ausgetrampelten Pfade lag, hat bislang – so weit mir bekannt ist – erst ein einziger amerikanischer Jäger einen Gemsbock erlegt. Wenn es mir also gelänge einen Gemsbock zu erbeuten, hätte ich als erster Amerikaner alle Oryx Unterarten komplett – Eritrea- und Büschelohr-Spießbock, Säbelantilope und Gemsbock.
Auf dem Weg von Portugiesisch-Ostafrika nach Windhoek, der Haupstadt von Südwestafrika, landeten wir kurz bei den eindrucksvollen Victoria Fällen, überquerten Süd-Rhodesien und Teile der weitläufigen, geheimnisvollen Kalahari Wüste, in der der Gemsbock zu Hause ist. Als unsere DC-3 der Delta Airlines mit dem Landeanflug auf Windhoek begann, passierten wir einige niedrige, felsige Hügel, die sich aus der Wüste erheben. Sie sahen genauso aus wie die felsigen Hügel der Sahara, wo ich das bärtige Berberschaf und einige Kudus angetroffen hatte, nicht unähnlich den Bergen von Lower California und Sonora. Später stellte ich fest, dass es überall in den Hügeln und Bergen Südwestafrikas von Kudus wimmelt. Basie Maartens, der unsere Jagd organisierte, wartete am Flughafen auf Paps und mich. Mit von der Partie war Smitty, der als Basies weißer Jagdgehilfe fungieren sollte. Den restlichen Tag verbrachten wir damit, die Zollformalitäten zu erledigen, uns die notwendigen Papiere zu besorgen und alle übrigen Vorbereitungen zu treffen.
Aber am nächsten Morgen brachen wir auf. Basie und ich fuhren in seinem amerikanischen Kleinlaster voran. Er war hoch beladen mit unserer Ausrüstung, und obenauf nahmen seine beiden Ovambo-Helfer Platz. Einer war der Koch und der andere – ein Mann vieler Talente – war zweiter Koch, Abbalger, Kellner, Waschjunge und persönlicher Butler. Paps fuhr mit Smitty in einem Land Rover, diesem zähen, vierradangetriebenen kleinen britischen Ding, das überall in Afrika als Jagd-Fahrzeug verwendet wird. Unser Ziel war Gochas, eine Polizeistation 200 Meilen südöstlich von Windhoek am Rande der großen Kalahari Wüste. Ein Polizist, der mit Basie befreundet war, hatte berichtet, dass er dort auf Patrouille regelmäßig Gemsböcke sah.
Es dauerte einen ganzen langen, heißen, staubigen Tag, bis wir in Gochas ankamen, aber als wir schließlich dort waren, erbot sich der Polizist, uns eine Salzpfanne zu zeigen, wo er Gemsböcke gesehen hatte. Da sich Wege in der Wüste nur schwer beschreiben und noch schwerer finden lassen, nahmen wir sein Angebot an. Die Kalahari ist eine echte Wüste, und als wir Richtung Osten aufbrachen, passierten wir große rote Sanddünen, die sich wie riesige gefrorene Wellen in gewundenen Reihen von Nord nach Süd erstreckten. Auf die mächtigen Dünen hinauf zu fahren und dann wieder hinunter in die dazwischenliegenden Täler, war wie eine Fahrt in einer gigantischen Achterbahn.
Die Kalahari ist eine der großen Wüsten der Welt - und eine der am wenigsten bekannten. Sie hat eine Fläche von rund 120.000 Quadratmeilen und erstreckt sich über Teile des alten Betschuanalandes und die östlichen Regionen von Südwestafrika. Hauptsächlich besteht sie aus rotem Sand, aber es gibt dürftiges, trockenes Gras und an manchen Stellen ziemlich viel dorniges Gebüsch. Gemsböcke und andere Tiere der Wüste sind auf Melonen und wilde Gurken angewiesen, um ihren Bedarf an Feuchtigkeit zu decken, während die Ureinwohner, die eigenartigen, kleinen mongolenartigen Buschmänner, von der Jagd leben, nach Wasser graben, Samen und Früchte sammeln, genau so, wie sie es schon seit 100.000 Jahren tun. Es ist ein herbes Stückchen Erde, die Kalahari; einsam, schön und grausam. Tausende Menschen, Weiße wie Einheimische, sind dort umgekommen. Im vergangenen Jahrhundert versuchte eine Gruppe von Buren mit 300 Wagen und Tausenden Rindern die Kalahari zu durchqueren. Am Ende waren mehr als 250 Menschen und tausende Rinder verdurstet.
Kurz bevor es dunkel wurde, bogen wir auf eine kaum erkennbare Fahrspur in eines der Dünentäler ab und fuhren Richtung Süden. Einige Meilen weiter sah ich unser erstes Kalahari-Wild, eine Herde hübscher kleiner Springböcke. Der Sand wurde immer tiefer und schwieriger zu befahren, und als wir schließlich auf einer Düne angelangt waren, von der man die Salzpfanne überblicken konn-te, sah ich meine ersten beiden Gemsböcke in die Abenddämmerung davongaloppieren. Mir schien es als seien es die größten Oryx, die ich je gesehen hatte, und ich war von ihren langen, geraden Stangen ganz hingerissen.
In dieser ersten Nacht lagerten wir unter einem großen Kameldornbaum etwa eine halbe Meile von der Salzpfanne entfernt. Während der langen Fahrt hatte brütende Hitze geherrscht, aber jetzt wurde es empfindlich kalt, und bald drängelten wir uns alle um das wärmende Feuer. Ich konnte in dieser Nacht kaum schlafen. Die Gedanken an das Wild, das wir gesehen hatten, hielten mich wach, und die Frage, ob uns das Glück am nächsten Tag hold sein würde. Als es hell genug geworden war, um etwas erkennen zu können, bemerkte ich eine dünne weiße Rauhreifschicht auf dem roten Sand. Nach einem eiligen Frühstück fuhren wir zur Salzpfanne. Paps saß bei Smitty in der Kabine, Basie und ich standen hinten auf dem Land Rover. Ich hatte meine .300 Weatherby Magnum geladen und schussbereit bei mir. An der Pfanne fanden wir kein Wild, aber wir entdeckten Löcher, wo Gemsböcke mit ihren Hufen die Erdkruste aufgebrochen hatten, um an das Salz darunter zu kommen. Sehr zu unserer Enttäuschung verbrachten wir den restlichen Tag und auch den nächsten damit, über endlose rote Dünen zu fahren, wobei wir nur gelegentlich einen Springbock sahen.
Am Morgen des dritten Tages fuhren Paps und Smitty im Kleinlaster Richtung Süden, und Basie und ich beschlossen, mit dem vierradangetriebenen Land Rover eine weitere Salzpfanne im Nordosten aufzusuchen, wo die Dünen besonders schwierig zu überqueren waren. Ich stand mit einem Owambo Späher hinten auf der Ladefläche, Basie fuhr. Nach rund einer Stunde Fahrt meinte ich, auf einer Düne weit vorraus etwas zu erkennen, das nach einem Gemsbock aussah, und ich klopfte auf die Fahrerkabine - das Signal für Basie anzuhalten. Ein rascher Blick durch das Fernglas bestätigte, dass es tatsächlich ein Gemsbock war, ein großer einzelner Bulle. Die Stangen sahen nicht sehr groß aus, aber in diesem Fall irrte ich mich. Ich habe schon viele Eritrea und Büschelohr Spießböcke sowie Säbelantilopen gesehen, und aus der Erfahrung kann ich ihre Stangen eigentlich recht gut ansprechen. Jetzt verglich ich im Geiste die Stangen mit der Länge des Kopfes und der Größe des Körpers und vergaß dabei für einen Moment, dass der Gemsbock größer ist als alle anderen Oryx-Arten und durchschnittlich mindestens 150 Pfund schwerer. Basie jedoch hatte das richtige Auge für Gemsböcke, und nachdem er unseren Gemsbock durch sein Fernglas angesprochen hatte, flüsterte er: “Das ist ein hervorragender Bulle, holen wir ihn uns.”
Und so begannen wir uns anzupirschen. Zwanzig Minuten lang kämpften wir uns durch den knietiefen roten Sand, außer Sicht und gegen den Wind. Endlich krochen wir das letzte Stückchen auf den Kamm der Düne hinauf und da: das herrliche Bild des kapitalen Gemsbock-Bullen, der etwa 200 Yard entfernt auf der roten Düne stand und sich gegen das klare frostige Blau des frühen Morgenhimmels abhob. Ich war außer Atem, und als ich die .300 Weatherby an die Schulter hob, tanzte das Fadenkreuz über den gesamten Gemsbock und auch über Teile der Landschaft. Ich wagte es nicht, zu schießen, solange mein Herz wie verrückt hämmerte und ich nach Luft rang. Zum Glück war der Bulle sehr ruhig. Er stand da und schaute immer noch zum Land Rover hinüber. Schließlich zeigte das Fadenkreuz auf sein Blatt, und ich drückte ab. Er machte einen Satz über die Düne und verschwand aus dem Blickfeld, aber ich war überzeugt, dass ich einen guten Schuss angetragen hatte. Einen Moment später bestätigte der Kugelschlag dies. Als wir die Düne überquert hatten und den Bullen verendet an ihrem Fuße liegen sahen, hatte damit auch eine Suche, die mich um die halbe Welt getrieben hatte, ihren Abschluss gefunden.
Während Basie den Land Rover holte, maß ich die Stangen. Sie hatten eine Länge von 44 Zoll und an der Basis einen Umfang von 8 Zoll. Es war ein Prachtexemplar eines kapitalen Oryxbullen! Als Basie mit dem Land Rover kam, berichtete er, dass er gerade noch einen weiteren Gemsbock über eine Düne verschwinden sah, und er hatte den Eindruck, daß dieser Gemsbock noch längere Stangen trage als der gerade erlegte Bulle. Wir luden den Bullen rasch auf und fuhren zu der Stelle, wo Basie den zweiten Gemsbock gesichtet hatte. Die Fährte war im Dünensand gut zu erkennen und wir folgten ihr zu Fuß. Vor jedem Dünenkamm, über den die Fährte hinüberführte, hielten wir inne und schauten uns sorgfältig um, bevor wir uns zeigten. Als wir über die fünfte Düne schauten, zeigte Basie vorraus. Der Gemsbock hatte uns bemerkt und trabte etwa 75 Yard von uns entfernt die Flanke der nächsten Düne hinauf. Mein erster Schuss ging fehl, der zweite brachte ihn zu Boden und im dritten verendete das Tier. Als wir herantraten, erwies “er” sich als eine außergewöhnlich gute Kuh mit Stangen von 46 Zoll, die im Rekordbuch den dritten Platz einnimmt. Bei den Oryx tragen die Kühe üblicherweise die längeren, wenngleich schlankeren Stangen. Kühe belegen alle Spitzenplätze im Rekordbuch. Als wir ins Lager zurückkamen, fanden wir Paps und Smitty mit einem guten Springbock vor, den Paps erlegt hatte. Ansonsten konnte er nichts vorweisen außer einem Straußenei, das er gefunden hatte, und auf diese Trophäe war er mächtig stolz.
Am folgenden Morgen brachen wir unser Lager ab und fuhren nach Gochas zurück. Unser nächstes Ziel war die Namib Wüste entlang der Atlantik-Küste im Westen. Dort wollte ich ein Exemplar des Namib Gemsbocks erlegen, der etwas kleiner und etwas anders gezeichnet ist als seine Artgenossen in der Kalahari. Außerdem erfuhren wir von Basie, dass wir in den felsigen Hügeln am Rande der Namib Kudus und das seltene Hartmanns Bergzebra antreffen würden. Die Nacht verbrachten wir in Maltahöhe und setzten am nächsten Tag die Fahrt in die Namib fort.
Die Namib ist noch desolater als die Kalahari, sofern das überhaupt möglich ist. Basie erklärte uns, dass sich die höchsten Dünen der Welt in der Namib befinden, und wir sahen sie. Afrikas große unerschlossene Diamantenfelder befinden sich ebenfalls in der Namib. Es ist gesetzlich verboten, tief in die Wüste vorzudringen.
Wir hielten bei einem Freund von Basie, einem Farmer, der uns sagte, dass Hunderte Gemsböcke aus der Wüste kämen, um im spärlichen trockenen Gras am Fuße der Hügel zu äsen. Es stimmte. Auf dem Weg zu einem einsamen Dornbaum in der Wüste, wo Basie schon früher einmal gelagert hatte, sahen wir etwa 200 Gemsböcke. Wir konnten sie jedoch nicht angehen, denn sie verschwanden wie der Wind in die großen Dünen, wo nicht einmal ein Fahrzeug mit Allrad-Antrieb hinkommt. Am nächsten Morgen sahen wir sie in noch größerer Zahl, aber sie waren sehr wachsam und gaben uns keine Gelegenheit sie anzugehen. Ich erlegte einen weiteren Springbock, und spät am Nachmittag gelang es Paps und Smitty endlich, hinter einige Dünen zu kommen, ohne entdeckt zu werden, und von dort pirschten sie sich an eine Oryxherde von etwa 30 Tieren an. Paps suchte sich den besten Bullen heraus und brachte ihn mit seiner.300 Weatherby zur Strecke. Es war ein prächtiges Tier mit 43 Zoll Stangen.
Wir brachen abermals unser Lager ab und machten uns auf den Weg nach Norden. In den Hügeln der Farm Naukluft wollten wir Bergzebras jagen. Der Farmer erzählte uns, dass die Zebras wegen der schweren Dürre aus dem weiten Umkreis an die ständigen Wasserstellen kämen. Er hörte mit Freude, dass wir einige Zebras erlegen wollten. Hartmanns Bergzebras sind eigenartige Tiere. Sie haben die Größe von kleinen Maultieren, was in etwa dem ostafrikanischen Grevy Zebra entspricht. Sie haben die gleichen schmalen Streifen wie das Grevy Zebra, aber zwischen den schwarzen Streifen sind sie nicht schneeweiß, sondern crème farben. Außerdem haben sie ein sehr eigenartiges Muster auf der Kruppe, das kein anderes Zebra hat. Üblicherweise hält man Zebras für Steppentiere, doch diese Art fühlte sich in den felsigen Hügeln, die mich an die Teile von Arizona erinnerten, völlig zu Hause. Pienaar, der Farmer, wusste genau, wo sie sich aufhielten und führte uns auf ein zerklüftetes, 5.000 Fuß hohes Plateau hinauf. Diese Zebras sind viel wachsamer als das Burchells Zebra der ost-afrikanischen Ebenen, und Paps und ich waren zwei Stunden auf der Pirsch, bis wir jeder eins erlegt hatten. Später am Nachmittag brachte uns Pienaar zu einem felsigen Canyon vor dem Plateau, und wir erbeuteten zwei weitere Zebras an den steilen Wänden des Canyons. Wir sahen auch zwei prächtige Kudu-Bullen, aber unser Gastgeber bat uns, sie zu schonen, da fast sämtliche Kudus in diesem Teil des Landes der Dürre zum Opfer gefallen waren.
Bislang hat noch kein amerkanischer Jäger in Südwestafrika gejagt, und außer Basie Maartens gibt es keine organisierten Jagdanbieter im Land. Basie ist der geborene Jäger. Seine Ausrüstung ist neu und gut, und obendrein hat er Jagdfreunde im ganzen Land, weil er mit seinem Vater das Waffengeschäft in Windhoek betreibt und schon so gut wie jedem Farmer im Land Waffen und Munition verkauft hat. Neben dem Wild der Wüste, wie Gemsbock und Springbock, und dem Bergwild, wie Kudu und Zebra, gibt es in Südwestafrika auch Eland, Streifengnu, Kuhantilope, Gepard und Löwe. Basie erzählte mir, dass die schönsten Mähnenlöwen von ganz Afrika in bestimmten Teilen der Betschuanaland Kalahari anzutreffen sind. Zur Bestätigung sahen wir einige unglaubliche Decken in Läden im Norden des Landes.
Im Grunde war ich nur an Gemsbock, Springbock und Bergzebra interessiert, da ich die anderen Arten ja schon anderswo erlegt hatte; aber Paps hatte es auf den Kudu der südwestafrikanischen Berge abgesehen. Nach einem eintägigen Zwischenstopp in Windhoek, bei dem wir unsere Vorräte wieder auffüllten, berichtete Basie uns von einer Gegend im fernen Norden des Landes nahe der Grenze nach Angola (Portugiesisch-Westafrika), in der es von Kudus und Springböcken nur so wimmelte. Außerdem gab es dort noch eine geographisch bedingte Gemsbock-Unterart, die kleine Unterschiede zu ihren Artgenossen in der Kalahari und der Namib aufwies. Wir fuhren zwei Tage lang nach Norden und erreichten nach 400 Meilen eine Farm namens Rietfontein, die einem weiteren von Basies Freunden gehörte. Unser Lager schlugen wir zwischen wunderschönen Palmen in einem Canyon nahe dem Farmhaus auf. Der Farmer erklärte uns, dass es normalerweise fließendes Wasser im Canyon gäbe. Aber es herrschte eine schwere Dürre im ganzen Land, und so standen nur noch einige Pfützen im Canyon. Kudus seien in großer Zahl verendet, berichtete der Farmer. Ältere Bullen gingen immer als erstes ein. Das stellten wir während unseres Aufenthaltes selbst fest: Wir fanden 25 oder 30 mächtige Kudu-Gehörne im Canyon. Einige waren hochkapital. Etwa 200 Yard von unserem Lager entfernt fand ich ein Gehörn, das entlang der Windung 59 Zoll maß! Wir stapelten sie alle auf einen großen Haufen, und als ich diesen betrachtete, musste ich an die vielen Jagdfreunde denken, die Tausende Dollar und Monate an Zeit investieren, und viele ermüdende Stunden in Ostafrika pirschen, wo Kudus schwer zu finden sind, während sie in Südwestafrika praktisch für wertlos gehalten werden. Meiner Meinung nach ist dies das beste Kudu-Land der Welt.
Es waren immer noch genügend Kudus vorhanden. In zwei Tagen erlegten Paps und ich vier, deren Hornlängen betrugen zwischen 54 und 57 Zoll. Dieser Südwestafrikanische Berg-Kudu sieht in der Tat anders aus. Er hat den typischen weißen „Chevron-Streifen“ auf dem Nasenrücken, doch das Gesicht ist nicht hellgrau, sondern ein dunkles anthrazitfarben, während die Decke wunderschön braun ist. Abgesehen von den vier Kudus streckten wir noch mehrere starke Springböcke. Einer brachte es auf 16 Zoll Gehörnlänge, was einen zweiten Platz im Rekordbuch bedeutete. Während der Kudu-Jagd erlegte ich zudem einen Gemsbock mit 43 Zoll. Auf der Fahrt zurück nach Windhoek zog ich Bilanz. Es gibt hier zwar nicht solch eine Artenvielfalt wie anderswo in Afrika, aber die meisten Arten sind einzigartig. Jeder, der zur Großwildjagd in Ostafrika war und auf der Suche nach neuen, ausgefallenen Trophäen ist, wird in Südwestafrika ein höchst interessantes Land finden. Verglichen mit dem, was teilweise in Ostafrika angeboten wird, waren wir hier nicht auf einer Luxus-Safari, aber sie machte mir mehr Spaß. Wir reisten schnell und ohne überflüssiges Gepäck und legten in zwei Wochen 2.500 Meilen zurück. Und nie kam Langeweile auf. Unser Ergebnis war 1.000 Prozent. Wir hatten ungewöhnlich starke Exemplare aller Arten erlegt, die wir bejagt hatten, und dies ist es, mehr als alles andere, was eine Safari wirklich zum Erfolg macht.
Bei unserem Besuch herrschte Winter in Südwestafrika. Wie in allen Wüsten-Regionen waren die Temperaturunterschiede gewaltig – zwischen Höchstwerten von 110 und Tiefstwerten von 25 Grad Fahrenheit. In der Kalahari bildete sich nachts eine dünne Eisschicht auf dem Wasser, aber die Nächte waren so klar und angenehm, dass wir auf Feldbetten unter dem Sternenhimmel schliefen, statt Zelte aufzuschlagen. Es werden noch viele Amerikaner zur Jagd nach Südwestafrika kommen, denn dieses Land ist ein ganz einzigartiges Jagdgebiet.